Rechtzeitig zum Weihnachtsfest haben wir einen neuen Blog des Monats auserkoren: Es ist der jüngst eingerichtete Besucher-Blog vom Hamburger Sprechwerk.
Denn wir vom theaterblogs-Team frohlocken gar sehr über den Umstand, dass Theaterleiter Andreas Lübbers beherzt die Tore weit macht, um via Internet den Segen der Zuschauer zu empfangen. Ob diese ihn ob seiner Kunst ab und an im Fegefeuer schmoren sehen wollen, bleibt abzuwarten.
Umso mehr gebührt dem Hamburger Sprechwerk Anerkennung für die Entschossenheit, sich mit einem Kritiken-Blog öffentlich dem Tribunal der Zuschauer auszusetzen. So viel Wille zur direkten Konfrontation mit dem Publikum stellt in der deutschsprachigen Theaterlandschaft eher die Ausnahme dar.
Fraglos spekuliert Andreas Lübbers auch auf den Werbeeffekt, den die zusätzliche Publizierung für sein Theater haben dürfte. In den Tageszeitungen gebe es immer weniger Platz für Kritiken, schreibt der Regisseur und Dramaturg, der das Hamburger Sprechwerk im Herbst 2004 aus der Taufe hob, auf der Startseite seines Blogs. Den Journalisten, die das Theater besuchten, sei es nicht immer möglich, ihre Kritiken in den Zeitungen unterzubringen. Darum sei es um so wichtiger, „dass die Erlebnisse, Erkenntnisse, Freuden und Enttäuschungen [der Zuschauer] einen Ort finden, an dem sie sich verschriftlichen können.“ Das Hamburger Sprechwerk nutzt nun die Chance, diesen Ort selbst zur Verfügung zu stellen.
Sieben Stücke des aktuellen Spielplans hat das Hamburger Sprechwerk seit November vor- und zur Diskussion gestellt. Die Meinungen beispielsweise zur William Ratcliff-Inszenierung geben einen Vorgeschmack darauf, wie hart und gleichzeitig engagiert die Auseinandersetzung mit der Theaterarbeit werden kann. Ist die Aufführung Weihnachtsgeschichte oder Psychogramm eines Macho-Terroristen? Vielleicht Sturm-und-Drang Drama in höchster Expressivität? Oder doch nur oberflächliches Kasperletheater?
Andreas Lübbers und sein Team hoffen auf eine lebendige Diskussion. Ob Ratschlag, Verbesserungsvorschlag oder Hinweis auf andere Produktionen an anderen Orten: „Offen und gespannt“ erwarte man das, was Gäste, Künstler, Freunde und Verwandte dem Hamburger Sprechwerk im Netz zu sagen hätten.
Wir von theaterblogs.de schließen uns dem mit den besten Wünschen an.
Renate Panke
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