Bloggen - Macht und Verantwortung

Aus aktuellem Anlass wandeln wir den "Blog des Monats" kurzerhand in einen redaktionellen Beitrag um, weil uns das Thema überaus wichtig erscheint.

Die eine Seite des Bloggens – die Macht

Der hohe Vernetzungsgrad im Internet hat dazu geführt, dass Informationen sich via Suchmaschinen, Communities und Blogs rasend schnell verbreiten. Jüngstes Beispiel ist ein bei youtube veröffentlichter Live-Mitschnitt eines Polizeianrufs in Mannheim, der in nur wenigen Tagen zum Kultvideo avancierte und bereits seinen Weg in die meisten Fernsehanstalten gefunden hat.

Bloginhalte funktionieren genauso öffentlichkeitswirksam, wenn sie gut und interessant gemacht sind. Ein bedeutungsvoller Beitrag wird gelesen, kommentiert und verlinkt und findet sich so in kürzester Zeit in den Bestenlisten von Google und Co wieder. Immer häufiger bereiten auch Blogs den Humus für Themen, die andere Medien aufgreifen und groß rausbringen.

Damit seid ihr heute in der Lage zu beeinflussen, was die Leute über euch erfahren sollen. Ihr könnt zum Beispiel einem kritischen oder für euch unbefriedigenden Artikel zu eurer Person etwas entgegensetzen, indem ihr einen eigenen Blogeintrag zum gleichen Thema verfasst. Dieser wird in den Suchmaschinen – wenn nicht sogar besser – so doch zumindest auf gleicher Höhe gelistet. Ein schönes Beispiel dazu liefert Sören Fenner mit seinem Blogbeitrag „KulturSpiegel-Bericht über “1-Euro-Stars” von Malte Henk“. Diese „kritisiere-deine-Kritiker-Variante“ hat obendrein den Charme, dass euer Blogeintrag bei der Namenseingabe des/der Räsonierers/in in den Suchmaschinen auftaucht.

Darüber hinaus habt ihr mit dem Bloggen die Möglichkeit, Öffentlichkeit zu erzeugen, wenn ihr etwas kritisieren, klarstellen oder allgemein aufklären wollt. So reagierte der amerikanische Hersteller von Fahrradschlössern Kryptonite nicht auf die Kritik eines Käufers, wonach die angeblich hochwertigen Schlösser nur mit Hilfe eines Kugelschreibers zu knacken seien. Der enttäuschte Kunde stellte daraufhin ein Video ins Netz, das seine Behauptung verifizierte. Nachdem zahlreiche Blogger, Foren und andere Medien den Fall aufgriffen hatten, sah sich Kryptonite gezwungen, eine große – und teure – Rückrufaktion zu starten.

Nicht zuletzt stellt ihr mit der bloßen Existenz eures Blogs sicher, dass in den Ergebnislisten der Suchmaschinen euer Blog an erster Stelle steht, wenn man euren Namen eingibt und dieser die höchste Aufmerksamkeit erzielt.

Die andere Seite des Bloggens – die Verantwortung

Bei aller Begeisterung für die neuen Einflussmöglichkeiten dürfen jedoch einige Spielregeln nicht aus dem Blickfeld geraten, die auch in der realen Welt gelten. Dazu gehört insbesondere, dass ihr in euren Blogbeiträgen und Kommentaren nicht die Rechte Dritter verletzt.

Jeder, der etwas im Internet veröffentlicht, hat nämlich die gleichen Pflichten, die auch für Journalisten gelten. Und hier ist neben dem Namens- und Urheberrecht vor allem das Persönlichkeitsrecht von Bedeutung.

Beleidigungen, Angriffe, Generalisierungen usw. gehören nicht in einen Blog, der von aller Welt gelesen werden kann! Weder direkt in den Beitrag noch in einen Kommentar. Wenn ihr berechtigte Kritik und auch Wut gegen jemanden oder etwas habt, dann bleibt trotzdem sachlich. Man kann auch mit griffigen Umschreibungen sein Ziel erreichen. Im schlimmsten Fall drohen euch Abmahnungen und Geldbußen, wenn sich jemand durch eure Beiträge verunglimpft sieht, denn ihr äußert euch ja in jedem Falle schriftlich und öffentlich.

Lasst euch also im Zweifel kurz durch den Kopf gehen, ob ihr es als verletzend empfändet, wenn ein anderer etwas in dieser oder jener Form über euch veröffentlicht. Dann seid ihr auf der sicheren Seite und könnt euch ganz eurer Macht widmen. Wer sich ein wenig durch den Dschungel des Erlaubten leiten lassen möchte, findet in der Blogsbar Orientierung.

Renate Panke

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